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Anna von Cleve

Anna von Kleve wurde am 22. September 1515 in Düsseldorf geboren. Sie war die zweitälteste der drei Töchter von Johann III, Herzog von Jülich-Kleve-Berg († 1539), und Maria von Jülich († 1543). Bekannt wurde sie durch ihre Heirat mit dem englischen König Heinrich VIII. Als vierte Frau des Königs war sie die erste deutsche Königin von England.

Heinrich VIII

Nach dem Tod seiner dritten Frau Jane Seymour, die zwölf Tage nach der Geburt des Sohnes Eduard am Kindbettfieber starb, verfiel König Heinrich VIII in eine schwere Depression. Jedoch wurde für ihn eine neue Heirat geplant. Der Lordsiegelbewahrer, Thomas Cromwell, suchte nach einer starken Allianz und bemühte sich, eine politisch sinnvolle Ehe für den König zu arrangieren. Er schrieb Briefe innerhalb ganz Europas an seine Botschafter. Da Heinrich seine zweite Frau (und später auch die fünfte) hatte hinrichten lassen, gestaltete sich die Suche zudem als sehr schwierig. Außerdem wollte der zögernde König der Heirat nur zustimmen, wenn seine Braut sehr attraktiv war. So ließ er seinen Hofmaler Hans Holbein d. J. mehrere Heiratskandidatinnen porträtieren.

Hans Holbein

In Wilhelm dem Reichen fand Cromwell einen möglichen Bündnispartner gegen Kaiser Karl V und Franz I von Frankreich. Wilhelm regierte seit 1538 gegen den Willen des Kaisers das Herzogtum Geldern. Damit kontrollierte er das größte Territorium im Norden Deutschlands. Hans Holbein porträtierte Anna von Kleve und ihre jüngere, ebenfalls unverheiratete Schwester Amalia von Kleve (1517-1586). Heinrich wählte die ältere Schwester, denn das von Holbein gemalte Porträt Annas gefiel ihm sehr. Außerdem lobten die englischen Abgesandten Anna dem König gegenüber in den höchsten Tönen. So unterschrieb er am 6. Oktober 1539 den Heiratsvertrag. Anna erhielt eine ansehnliche Mitgift von 100.000 Goldgulden, davon 40.000 am Hochzeitstag.

Die Reise

Auf der langen Reise nach London wurden ihr die Benimmregeln am Hof und die wichtigsten englischen Kartenspiele beigebracht. Englische Beobachter bezeichneten ihre Kleidung und Verhalten als "sehr ungewöhnlich". Nach einer wochenlangen Fahrt erreichte Anna die Stadt Rochester. Der König, der die erste Begegnung mit seiner neuen Frau kaum abwarten konnte, reiste ihr entgegen.

Die Hochzeit

Am 1. Januar 1540 besuchte er Anna im Palast des Bischofs von Rochester. Nach dem ersten Treffen war Heinrich von seiner neuen Braut maßlos enttäuscht. Er fand Anna humorlos und langweilig. Angeblich soll er Cromwell nach diesem ersten Treffen schon gesagt haben: "Ich mag sie nicht." Die Beleidigung als "flandrische Mähre" ist eine viel später erfundene Behauptung von Heinrich und so nicht überliefert. Der französische Gesandte Charles de Marillac beschrieb Anna folgendermaßen: "...von mittlerer Schönheit, mit einem entschlossenen und resoluten Antlitz." Zunächst verschob Heinrich die Hochzeitsfeier um zwei Tage und äußerte den Wunsch, vom Ehevertrag zurückzutreten. Heinrich befahl Cromwell, eine Möglichkeit zu finden, die Hochzeit zu verhindern. Es sollte überprüft werden, ob der Heiratsvertrag aus ihrer Kindheit mit Franz I. noch gültig war. Der Gesandte berichtete aber, dass dieser Vertrag schon Jahre zuvor gelöst worden war. Am 5. Januar 1540 musste Anna zusätzlich eine formelle Erklärung unterzeichnen, dass sie nicht anderweitig gebunden sei. Schließlich fand am 6. Januar 1540 die Hochzeit statt. Thomas Cromwell hoffte, dass die Hochzeitsnacht das Ehepaar einander näherbringen würde. Heinrich äußerte sich am Morgen nach der ersten Nacht: "Ich habe sie vorher nicht geliebt und liebe sie jetzt noch weit weniger (...) mein Herz hat sich von ihr abgewendet, so dass ich in diesem Handel nicht weiter fortfahren will." Der König bemühte sich in den ersten Nächten um Anna, bevor er verkündete, dass es ihm nicht möglich sei, seine Gattin "fleischlich zu erkennen". Anna kümmerte sich nicht um die Ratschläge der Hofdamen, die seine Unzufriedenheit beunruhigte; sie zeigte sich in sexuellen Vorgängen völlig unerfahren. Zu ihren Hofdamen soll sie gesagt haben:"Wenn der König ins Bett geht, gibt er mir einen Kuss, nimmt meine Hand und wünscht mir eine gute Nacht. Am Morgen küsst er mich und sagt mir auf Wiedersehen. Ist das nicht genug?"

Die Annullierung

Da die Ehe laut Heinrich nicht vollzogen wurde, plante der König die Annullierung der Ehe. Für den englischen Hof zeigte sich der König mit Anna bei öffentlichen Anlässen und behandelte sie zuvorkommend. Die Feindschaft zwischen Franz I. und Karl V. brach wieder offen aus, und auch die politischen Gründe für die Ehe bestanden für Heinrich nicht mehr. Königin Anna erhielt am 25. Juni 1540 Nachricht von der geplanten Auflösung ihrer Ehe. Wichtig bei der Auflösung der Ehe war, Annas Bruder Wilhelm den Reichen nicht zu sehr zu verärgern. Daher benötigte Heinrich Annas Hilfe, die sich in Erinnerung an das Schicksal von Katharina von Aragón und Anne Boleyn in alles fügte und ihre formale Abdankung unterschrieb. Der König ernannte sie erfreut über dieses Verhalten zu seiner "guten Schwester".

Sechs Monate und drei Tage nach ihrer Hochzeit ließ Heinrich die Ehe am 9. Juli 1540 für ungültig erklären. Anna von Kleve gab dem König ihren Ehering zurück und erklärte sich mit der Auflösung sofort einverstanden. Sie bestätigte, dass der König und sie nie intim geworden wären.

Thomas Cromwell

Er wurde des Hochverrats und der Ketzerei angeklagt, zum Tode verurteilt und am 28. Juli 1540 hingerichtet. Zwei Wochen nach der Eheannullierung heiratete der König Catherine Howard. Die junge Frau fand jedoch nicht in ihre Rolle als Königin von England und wurde am 13. Februar 1542 wegen einer Affäre mit ihrem Kammerdiener enthauptet.

Die "Tochter von Cleve"

Kurzzeitig macht sich Anna Hoffnung, dass der König sich jetzt wieder ihr zuwenden würde. Diese Bemühungen wurden aber schon frühzeitig durch Cromwells Nachfolger Stephan Gardiner unterbunden. Obwohl Annas Mutter und Bruder ihre Rückkehr nach Deutschland wünschten, blieb sie in England, angeblich aus freiem Willen. Am 9. Januar 1541 wurde sie zur Lehenstreue gegenüber dem englischen König verpflichtet, und ihre Einkünfte wurden neu geregelt. Sie zog sich nach Hever Castle zurück und führte dort, wie eine reiche Witwe, ein relativ unabhängiges Leben. Die "Tochter von Kleve" wurde in England für ihre Großzügigkeit und Mildtätigkeit, aber auch Extravaganzen berühmt. Anna von Kleve überlebte Heinrich und alle seine Frauen. Zu ihrer Nachfolgerin Catherine Howard soll sie einen heiteren privaten Umgang gepflegt haben. Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte sie bei der Thronbesteigung ihrer Stieftochter Maria. Als dritte Dame ritt sie neben Marias Schwester Elisabeth hinter der neuen Königin.

Sie verstarb am 28. Juli 1557 an einem Krebsleiden. Anna wurde mit großem Aufwand in einer Kapelle in der Westminster Abbey in London bestattet. Die Menschen in ihrer Umgebung verehrten die verschmähte Königin vor allem wegen ihrer Großzügigkeit als "mildtätige Dame". Das von Hans Holbein gemalte Bildnis der Anna von Kleve zählt zu seinen bekanntesten Werken und ist im Pariser Louvre zu sehen.

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