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Johanna Sebus

Am 13. Januar 1809 verlor Johanna Sebus ihr Leben, als sie während einer der größten Hochwasserkatastrophen im Klever Land versuchte, ihre eigene Mutter und eine Frau mit zwei Kindern aus den Fluten zu retten. Ihre Selbstlosigkeit und ihr Heldenmut zogen zu ihrer Zeit große Bewunderung auf sich und gelten bis heute als beispielhaft.

Ihr Leben

Johnna Sebus wurde 1791 als eines von sieben Kindern von Jacob und Helene (geb. van Bentum) Sebus geboren. Johannas Vater, ein Tagelöhner, starb wenige Jahre nach ihrer Geburt, ihre Mutter brachte die Kinder als Dienstmagd durch.

Ihre Heldentat

Am Nachmittag des 13. Januar 1809, gegen 14 Uhr, nachdem die Schleuse an der Spoy und im Anschluss der Damm weggerissen worden waren, stürzte Johanna sich ins Wasser, um ihre Mutter zu retten. Bei dem anschließenden Versuch, auch ihre Nachbarin und deren Kinder aus den Fluten zu bergen, kam sie ums Leben. Ihr Leichnam wurde drei Monate später in einem Graben zwischen Rindern und Düffelward (im Volksmund "Koij" oder "Kode") unter Schlick und Sand gefunden und auf dem Friedhof in Rindern beigesetzt. Als die alte Kirche von Rindern 1872 abgebrochen und ein größerer neugotischer Bau errichtet wurde, bezog man das Grab der Johanna Sebus in die Kirche mit ein. Eine Bodenplatte in Altarnähe markiert seine Position.

Schon kurz nach ihrem Tod, im Mai 1809, setzte Johann Wolfgang von Goethe mit einer Ballade Johanna Sebus ein berühmt gewordenes literarisches Monument. 1811 wurde das Gedicht von dem mit Goethe befreundeten Komponisten Carl Friedrich Zelter vertont und in Kleve aufgeführt. Ebenfalls 1811 wurde Johanna Sebus außerdem posthum mit dem Rosenorden Kaiser Napoleons ausgezeichnet, denn Kleve stand zu dieser Zeit unter französischer Verwaltung. Im selben Jahr wurde Johanna Sebus am Altrhein-Deich in Kleve-Wardhausen/Brienen auch ein Gedenkstein errichtet. Entworfen hat ihn kein Geringerer als Dominique Vivant Denon, der Generalinspektor der französischen Museen. Seither haben sich zahllose Künstler und Schriftsteller mit dem Hochwasser von 1809 und der selbstlosen Tat der Johanna Sebus auseinandergesetzt.

Das Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe

Der Damm zerreißt, das Feld erbraust,

Die Fluten spülen, die Fläche saust.

"Ich trage dich, Mutter, durch die Flut,

Noch reicht sie nicht hoch, ich wate gut." -

"Auch uns bedenke, bedrängt wie wir sind,

Die Hausgenossin, drei arme Kind!

Die schwache Frau! ... Du gehst davon!" -

Sie trägt die Mutter durch das Wasser schon.

"Zum Bühle da rettet euch ! harret derweil;

Gleich kehr´ ich zurück, uns allen ist Heil.

Zum Bühl´ ist´s noch trocken und wenige Schritt;

Doch nehmt auch mir meine Ziege mit!"

Der Damm zerschmilzt, das Feld erbraust,

Die Fluten wühlen, die Fläche saust.

Sie setzt die Mutter auf sichres Land,

Schön Suschen, gleich wieder zur Flut gewandt.

"Wohin? Wohin? die Breite schwoll;

Das Wasser ist hüben und drüben voll.

Verwegen ins Tiefe willst du hinein!" -

"Sie sollen und müssen gerettet sein!“

Der Damm verschwindet, die Welle braust,

Eine Meereswoge, sie schwankt und saust.

Schön Suschen schreitet gewohnten Steg,

Umströmt auch, gleitet sie nicht vom Weg,

Erreicht den Bühl und die Nachbarin;

Doch der und den Kindern kein Gewinn!

Der Damm verschwand, ein Meer erbraust´s,

Den kleinen Hügel im Kreis umsaust´s.

Da gähnet und wirbelt der schäumende Schlund

Und ziehet die Frau mit den Kindern zu Grund;

Das Horn der Ziege faßt das ein´,

So sollten sie alle verloren sein!

Schön Suschen steht noch strack und gut:

Wer rettet das junge, das edelste Blut!

Schön Suschen steht noch wie ein Stern;

Doch alle Werber sind alle fern.

Rings um sie her ist Wasserbahn,

Kein Schifflein schwimmet zu ihr heran.

Noch einmal blickt sie zum Himmel hinauf,

Dann nehmen die schmeichelnden Fluten sie auf.
Kein Damm, kein Feld!
Nur hier und dort
bezeichnet ein Baum, ein Turm den Ort,

Bedeckt ist alles mit Wasserschwall;

Doch Suschens Bild schwebt überall. -

Das Wasser sinkt, das Land erscheint,


Und überall wird schön Suschen beweint. -
Und dem sei, wer´s nicht singt und sagt,

Im Leben und Tod nicht nachgefragt!

Zum Andenken der siebzehnjährigen Schönen, Guten aus dem Dorfe Brienen, die am 13. Januar 1809 bei dem Eisgang des Rheins und dem großen Bruche des Dammes von Cleverham, Hilfe reichend, unterging.

Johann Wolfgang von Goethe  (1749-1832)

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